Meiringen | 15. August 2013
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«Verkauft» macht auf Bedrohung aufmerksam

Entlang des Bergwegs vom Grimsel-Hospiz zur Lauteraarhütte macht bis Mitte Oktober eine Kunstinstallation der Gruppe l’art pour l’aar mit roten «Verkauft»-Schildern auf Pflanzen aufmerksam, die der geplanten Vergrösserung des Grimselsees zum Opfer fallen würden.
Das Vorfeld des Unteraargletschers ist von der Überflutung bedroht.
Das Vorfeld des Unteraargletschers ist von der Überflutung bedroht.Fotos: Eingesandt

Wer vom Grimsel-Hospiz dem Hüttenweg zur Lauteraarhütte des SAC folgt, erwandert sich eine einzigartige und vielfältige Biotop- und Pflanzenwelt. Eine Fülle verschiedenster Flechten, Moose, Farne, Gräser, Blumen und Sträucher siedeln zwischen vom Eis geschliffenen Granitfelsen, in moorigen Senken oder auf schuttigen Flächen. Vielfalt und Reichtum der Vegetation und ein auf dieser Höhe einzigartiger Arvenwald haben sich an der Sunnig Aar in erstaunlicher Unberührtheit erhalten, weil sie seit Langem vom Zutritt von Vieh und Schafen bewahrt worden sind. Mit ein Grund, dass die Sunnig Aar von Bund und Kanton geschützt, als «Moorlandschaft Grimsel» unter dem Schutz der Verfassung steht und von der Unesco zur Welterbe-Landschaft ernannt wurde.

«Oben fix, unten nix»

Nach wie vor sind Teile dieser Landschaft bedroht: Um die Option für die Vergrösserung des Grimselsees mit dem Projekt KWO plus der Kraftwerke Oberhasli offen zu halten, wurden sowohl die Grenze der Unesco-Welterbe-Landschaft wie auch der Perimeter der Moorlandschaft um 27 Meter auf die geplante Staukote des KWO-Projekts angehoben. Diese willkürliche Grenze ist Thema der diesjährigen Kunstaktion der Gruppe l’art pour l’aar. Seit einigen Tagen hängt an vielen Hundert Pflanzen entlang des Wegs zur Lauteraarhütte ein rotes Schildchen mit der Aufschrift «Verkauft». Diese Pflanzen stehen stellvertretend für die einzigartige alpine Flora, die dem umstrittenen Projekt KWO plus zum Opfer fallen würde. Während die Vegetation über der geplanten Staukote des Grimselsees unter umfassendem Schutz steht, dürfe die Vegetation darunter für die Profitmaximierung der Stromwirtschaft ersäuft werden. Die künstlerische Intervention von l’art pour l’aar zieht sich über mehrere Kilometer bis ins Vorfeld des Unteraargletschers. Die Kunstschaffenden, die sich mit ihren Arbeiten seit 20 Jahren für eine umweltgerechte Nutzung der Gebirgswelt einsetzen, laden mit ihrer Aktion ein, die Vielfalt und Schönheit dieser bedrohten Landschaft und ihrer alpinen Flora unmittelbar wahrzunehmen. Mitte Oktober wird die Installation «Verkauft» wieder entfernt.